Thomas W. Künstner, Spiel, Spaß, Arbeit, Job, Führung
Spiel, Spaß, Spannung – für bessere Ergebnisse im Job
12. Oktober 2018
Change
Die Wirkung von Räumen gezielt nutzen
19. Dezember 2018

Change-Overload! So überzeugen Sie (sich) im Wandel

Thomas W. Künstner, Wandel, Führung, Führungskraft, Leadership

Sie haben Ihr Change-Programm gerade so richtig ans Rollen gebracht. Strukturen in Ihrem Bereich werden optimiert, Prozesse glatt gezogen, personelle Veränderungen sind geplant. Ihr Team zieht jetzt mit. Am Anfang war das nicht so, aber jetzt läuft es.

Und dann: STOPP! Die oberste Chef-Etage hat ein großes Zentralisierungsprogramm für alle Overhead-Funktionen auf den Weg gebracht. Sie wissen sofort: Das wird Ihrer Change-Initiative nicht nur den Schwung nehmen. Viel schlimmer: Wesentliche Teile Ihres Konzeptes werden so nicht mehr funktionieren.

Frei nach Tucholsky denken Sie: „Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte!“ Und das können Sie auch nicht. Denn Ihr Job ist es nun, Ihr Team von der Notwendigkeit und der Sinnhaftigkeit des Zentralisierungsprogramms zu überzeugen. Das hat Ihnen Ihr Chef sehr deutlich gemacht.

Resignation ist keine Lösung

Ich habe das als Berater – und als Manager – öfters erlebt als mir lieb ist. 

Mal ehrlich: Wer hat denn da noch Lust auf Change? Wie motivieren Sie sich selbst? Und wie eine Mannschaft, die solche Wendungen vielleicht schon einige Male erlebt hat?

Resignation ist natürlich keine Lösung. Deshalb möchte ich Ihnen helfen, damit Sie für die nächste Change-Welle besser gerüstet sind. Ich will gar nicht den Eindruck erwecken, dass es damit einfach wird. Das sind solche Change-Situationen selten. Aber Sie können einiges tun, um besser damit klarzukommen und vor allem um als Führungskraft effektiver zu werden. 

Führungskräfte, die mit Change konfrontiert sind, sollten sich selbst drei wichtige Fragen beantworten:

 

1. Wie finde ich das?

Es wird in Ihrem Unternehmen immer Dinge geben, die Sie nicht gut finden. Die können Sie sich auch nicht schönreden. Und das sollen Sie auch nicht.

Aber machen Sie sich Ihre Emotionen bewusst – gerade die negativen. Dieses Bewusstmachen ist ein wichtiger Schritt, damit Ihre Emotionen Ihr rationales Denken nicht zu stark beeinflussen.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das kein einfacher Schritt ist. Als während meiner Zeit bei Booz & Hamilton ein Teilverkauf unseres Unternehmens anstand, gab es dabei einige Aspekte, die mir ganz gewaltig gegen den Strich gingen. Und ich musste dann 500 Leute davon überzeugen, dass es wichtig und richtig ist, da mitzugehen. Also habe ich meine Emotionen beiseite gewischt. Mein Team spürte natürlich, dass mir etwas nicht passte. Sie dachten daher, ich sei prinzipiell gegen den Verkauf – was aber gar nicht stimmte.

Das hatte ich nun davon, dass ich meine Emotionen selbst nicht ernst genommen, mich nicht damit auseinandergesetzt hatte und sie auch nicht offen und ehrlich kommuniziert habe. Ich habe meine Glaubwürdigkeit als Leader selbst untergraben. Dieses Dilemma vermeiden Sie, wenn Sie Ihre Emotionen bewusst klären.

2. Was heißt das für mich?

Im nächsten Schritt durchdenken Sie ganz konkret, was der anstehende Change für Sie persönlich bedeutet. Gewinnen Sie an Verantwortung oder verlieren Sie? Was heißt das für Ihren Arbeitsalltag – fallen Dinge weg, die Ihnen wichtig sind? Was heißt das für Ihren nächsten Karriereschritt?

Wenn Sie die Situation rational analysieren, werden Sie meistens feststellen: Auch Entwicklungen, die Ihnen widerstreben, haben positive Aspekte. Bei diesem Schritt ist es daher sehr wichtig, sich auszutauschen. Mit Ihren Kollegen, Ihrem Team und Ihren Chefs. 

Holen Sie sich Input. Sie werden wahrscheinlich auf Aspekte stoßen, die Sie alleine nicht gesehen hätten. Erwarten Sie aber nicht zu viel. Das Denken müssen Sie am Ende schon selbst übernehmen. 

Sie werden diese Frage in der Regel nie zu 100 % beantworten können. Die Change-Gleichung hat zu viele Unbekannte. Aber diese Übung gibt Ihnen Sicherheit. Sie holt vieles aus dem eher Vagen in den beherrschbaren Bereich. Sie wissen jetzt, was auf Sie zukommt. Das wird auch Ihr Team spüren.

3. Was mache ich jetzt?

Gerade in Change-Situationen ist es oft so, dass die oberste Heeresleitung Dinge ankündigt, Sie aber noch lange gar nichts Konkretes tun können. 

Daher gilt: Keep calm and carry on. Konzentrieren Sie sich erstmal aufs Tagesgeschäft und machen Sie Ihren Job. Sie wollen doch schließlich auch, dass Ihr Team das tut.

Hier gehört aber auch dazu, dass Sie Ihre Emotionen spiegeln. Machen Sie aus Ihrem Herzen keine Mördergrube. Dadurch fühlen sich Ihre Leute abgeholt. Sie wirken authentisch und Ihr Team wird eher hinter Ihnen stehen, wenn der Change dann in konkrete und praktische Schritte übergeht.

 

Diese drei Fragen sind kein Allheilmittel. Aber sie sind ein guter Anfang, um Change-Prozesse effektiv zu führen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Wir benutzen Cookies zur Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit der Website. Durch Ihren Besuch stimmen Sie dem zu.